Viel mehr als „nur“ Spendengelder

 

80 Prozent der Behinderungen von Menschen treten im Laufe des Lebens auf: nach einem Arbeits- oder Verkehrsunfall oder als
Folge einer degenerativen Erkrankung. Diese Herausforderung rückt die Spendenaktion CAP48 in diesem Jahr in den Mittelpunkt.
Mit dem eingenommenen Geld werden Projekte im Behindertenbereich gefördert - seit vielen Jahren auch in Ostbelgien.

 

Grenz-Echo (Christian Schmitz)

 

Wir wollten diesmal das Leben nach dem Lebensunfall in den Mittelpunkt rücken. Und die damit verbundene Solidarität. Genau wie die Arbeit der vielen Vereinigungen in diesem Sektor. Es ist nicht einfa ch, damit umzugehen. Nach einem solchen Schicksalsschlag beginnt die Zeit des Wiederaufbaus, der Hoffnung“, erklärt Renaud Tockert, geschäftsführender Direktor der Spendenaktion. Mit seinen Aussagen macht er deutlich: Bei CAP48 geht es nicht allein um Fördergelder, sondern vor allem um Sensibilisierung. „Behinderte werden immer noch häufig diskriminiert. Deshalb müssen wir auch weiterhin Kampagnen fahren, um gegen  iese Diskriminierung anzukämpfen, damit mehr Mittel freigemacht werden, und zwar nicht nur von der öffentlichen Hand.“


Tockert spricht aber ebenfalls von wichtigen Fortschritten. Vor allem das Europäische Jahr der Menschen mit Behinderung (2003) habe eine große Dynamik in verschiedenen Mitgliedsstaaten ausgelöst. 

 

CAP48 wurde allerdings schon viel früher aus der Taufe gehoben: Am 23. September 1957 startete der RTBF-Radiomoderator Jean-Claude Menessier einen Spendenaufruf zugunsten von bedürftigen Personen. Wer ein Spendenversprechen abgeben wollte, musste seine Nummer, die 488100, anrufen. Daraus entwickelte sich eine immer beliebter werdende Initiative zugunsten von Menschen mit einer Behinderung und Jugendlicher in schwierigen Lebenslagen. 2003 erhielt die Aktion den heutigen Namen CAP48 

 

in Anlehnung an die Telefonnummer des Erfinders. Nutznießer der Gelder, die in jedem Jahr zu einem großen Teil über den Verkauf von bunt gestalteten Post-it-Blöckchen erzielt werden, sind Personen aus der Wallonie, Brüssel und aus der DG. Die Öffentlichkeitsarbeit ist inzwischen deutlich professionalisiert worden. Dazu gehören mehrere Großereignisse, verschiedene Spots und Gesichter der Kampagne. Für das Fernsehen ist das beispielsweise Luc Huberty: Das Leben des ehemaligen Bauunternehmers wurde eines Tages auf den Kopf gestellt, als er bei einem Unfall ein Bein verlor. Nach etlichen Monaten in einem Rehazentrum in Fraiture - einem von CAP48 geförderten Projekt - hat er seinen persönlichen Kampf aufgenommen
und ist heute erfolgreicher Behindertentriathlet. „An der Seite von CAP48 zu stehen, ist für mich selbstverständlich, denn was mir gefällt, ist zum einen die Aufklärung über Menschen mit Behinderung durch das Vermitteln ihrer Lebenserfahrungen und zum anderen das Hervorheben der Vereinigungen, die für das Wohl aller arbeiten“, sagt Luc Huberty.


Zu CAP48 gehört ebenfalls eine große Abschlussspendengala, die diesmal am 9. Oktober in den Lütticher Studios „Média Rives“ stattfinden und live von der RTBF (auf „La Une“ und auf „La Trois“ mit Übersetzung in Gebärdensprache) übertragen wird. An diesem Abend werden noch Spendengelder unter der Telefonnummer 0800/948.81 oder per SMS (Nummer 4881) entgegengenommen. 


Ostbelgien ist seit vielen Jahren ebenfalls mit von der Partie. Seit dem Jahr 1989 koordiniert die Dienststelle für Personen mit Behinderung (DPB) die Spendeninitiative in den neun deutschsprachigen Gemeinden. Unterstützt wird das Ganze von der DG und vom BRF. Los geht es mit dem Verkauf der Post-itBlöckchen mit berühmten belgischen Comic-Figuren wie den „Schlümpfen“ (zum Preis von 10 Euro) an diesem Freitag auf dem Eupener Wochenmarkt.
Nach dem Startschuss sind die vielen Ehrenamtlichen in
den kommenden beiden Wochen auch auf anderen Märkten, auf den Parkplätzen von
Geschäften oder beim Heimspiel von Fußball-Erstdivisionär AS Eupen gegen Mouscron
am kommenden Samstag (20 Uhr) unterwegs. Man dürfte auch vor und nach Gottesdiensten auf sie treffen. Der
ostbelgische CAP48-Ableger wird seit einiger Zeit am Ort des Geschehens vorgestellt.


Diesmal war das der Hof Peters in Emmels. Der Sozialbetrieb zählt 22 Beschäftigte, unter ihnen 14 mit einer Beeinträchtigung, die hier einen geschützten und sicheren Arbeitsplatz finden. Seit der Gründung 1998 hat sich hier sehr viel getan: Mittlerweile gibt es einen Hofladen, ein Treibhaus, eine Bäckerei und eine Sandwicherie, wo Theo Boemer und seine Mitarbeiter frisches Essen zubereiten. Im Zuge der wachsenden Auftragslage braucht der Sozialbetrieb eine größere Infrastruktur. „Aber das ging nur mit einer neuen Infrastruktur, um mehr Platz zu haben“, erklärt Theo Boemer.

 

Deshalb sollen die Stallungen durch eine neue Küche ersetzt werden. Die Umbaupläne sollen nicht nur zu 80 Prozent von der DG bezuschusst, sondern auch mithilfe der Spendenaktion CAP48 unterstützt werden. „Wir hoffen auf einen Baustart im kommenden Jahr.“, so Theo Boemer, der die Kosten des Gesamtprojektes auf rund 750.000 Euro beziffert.

 

Da sind 20 Prozent Eigenanteil eine ganze Menge. In der DG sollen aber noch andere Projekte in den Genuss von Fördermitteln kommen (siehe „Hintergrund“). Im Rahmen von CAP48 sind im letzten Jahr in Ostbelgien rund 33.000 Euro erzielt worden.

 

2015 wurde landesweit mit Spenden im Wert von fast fünf Millionen Euro (genau 4.923.950 Euro) der im Jahr 2013 erzielte Rekord von von 4,51 Millionen Euro gebrochen.