Neubau: Hof Peters wird fit für die Zukunft

Wenn der Hof Peters in Emmels im nächsten Jahr seinen 20. Geburtstag feiert dann wird anstelle der alten Stallungen, in denen nun die Küche des Sozialbetriebes untergebracht ist, ein moderner Neubau stehen. Bis Ende 2017 werden fast 900.000 Euro investiert, um das Gebäude für Personen mit eingeschränkter Mobilität zugänglich zu machen, die Infrastruktur den Vorschriften der Föderalagentur für die Sicherheit in der Nahrungsmittelkette (Afsca) anzupassen und den Mitarbeitern das Leben zu erleichtern.

Von Petra Förster

„Kannst du mal auf Seite gehen?“: Zu viel Platz ist in der Küche des Hof Peters in der Tat tatsächlich nicht.

In zwei engen Räumen, auf zwei Etagen verteilt, drängen sich die Mitarbeiter, um Tag für Tag 20 bis 40 warme Mahlzeiten zuzubereiten und für die Auslieferung zu verpacken und zwischen 10 und 70 Sandwiches für Kunden vorzubereiten.

Außerdem werden hier unter Anleitung von Koch Theo Boemer verschiedene Marmeladen eingekocht, Säfte hergestellt oder leckere Präsentkörbe zusammengestellt.

Die Bestellungen werden an einem kleinen Schreibtisch in der Ecke, mitten im Geschehen, aufgenommen und verwaltet. Lagerräume und Archiv sind nicht wirklich praktisch zu erreichen und in den alten Stallungen bzw. teilweise auch im Gewölbekeller untergebracht, der nur über eine steile Treppe zugänglich ist.

So sieht es heute aus: Nur das Gebäude im Hintergrund bleibt stehen, der Rest wird abgerissen und neu aufgebaut.

„Es wird wirklich Zeit“, betonen die beiden Schwestern Nathalie und Alexa Peters, die im Verwaltungsrat der VoG vertreten sind und das Projekt vor mittlerweile 19 Jahren initiiert haben. Die Idee, ihrem Elternhaus mitten im Zentrum von Emmels eine sinnvolle Bestimmung zu geben, ist eingeschlagen.

Mit einem Projekt der VoG Die Raupe an einem Tag pro Woche und fünf oder sechs Personen, die auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben, hat der Hof Peters 1998 begonnen.

Aus einem Tag pro Woche wurden zwei, dann drei, aus fünf Personen immer mehr. Heute finden im Hof Peters 23 Personen eine Beschäftigung. Unter der Anleitung von Koch Theo Boemer und betreut von der Erzieherin Judith Hammes produzieren hier Menschen mit Beeinträchtigung leckere Mahlzeiten für ihre Kunden, darüber hinaus gibt es das Green-Team, das Gartenpflegearbeiten übernimmt. Mehrfach ist der Betrieb seit 2001 umgebaut und erweitert worden: Viele Eigenmittel wurden eingesetzt, auch großzügige Spenden und dabei immer darauf geachtet worden, so kostengünstig wie möglich zu arbeiten.

Das wird auch beim aktuellen Umbauprojekt wieder der Fall sein, nur gilt es dieses Mal, die Räumlichkeiten so zu gestalten, dass der Hof Peters in die Zukunft starten kann. „Wir hatten die Wahl: Entweder das Projekt wäre irgendwann zu Ende oder wir bereiten die Zukunft vor“, bringt Nathalie Peters es auf den Punkt.

Schließlich hat der Verwaltungsrat sich für Letzteres entschieden. Ein Argument war dabei nicht nur die gute Absicht, Menschen mit einer Beeinträchtigung einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten, sondern auch die Zahlen. „Es läuft einfach gut“, sagt Alexa Peters. Lag der jährliche Ertrag 2009 noch knapp über 150.000 Euro, so hat man heute fast die 250.000 Euro-Marke geknackt. Der Umsatz ist zudem seit einigen Jahren konstant.

Die engen Räumlichkeiten machen es den Mitarbeitern wie beschrieben nicht gerade einfach.

Hinzu kommt, dass alleine schon die steile Zufahrt zum Hof Peters für Rollstuhlfahrer eine unüberwindbare Hürde darstellen würde – geschweige denn, ein Rollstuhlfahrer würde sich für einen Job in der engen Küche auf der ersten Etage des alten Stalls interessieren.

Außerdem entsprechen die Räumlichkeiten nicht in allen Punkten den Vorschriften der Föderalagentur für die Sicherheit in der Nahrungsmittelkette. Das alles soll nun mit dem Um- und Ausbau geregelt werden und somit der Betrieb „für die nächsten 30 Jahre“, wie Nathalie Peters sagt, „fit gemacht werden“. Und letzten Endes ist diese Entscheidung noch recht schnell getroffen und die Umsetzung auf den Weg gebracht worden.

Im August wurde der Bauantrag gestellt und zudem am 1. September ein Infrastrukturantrag bei der Deutschsprachigen Gemeinschaft eingereicht. Unter dem Tannenbaum lag dann – pünktlich eingetrudelt am 23. Dezember – die Subsidienzusage der DG über 650.000 Euro. Über 42.000 Euro steuern verschiedene Service-Clubs bei; Table Ronde, Lions Club, Rotary und Vis-a-Vis haben auch in der Vergangenheit den Hof Peters immer tatkräftig unterstützt. 10.000 Euro kommen von der Dienststelle für Selbstbestimmtes Leben und rund 180.000 Euro wird die VoG aus Eigenmitteln und zu diesem Zweck gesammelten Spenden zusteuern.

Koch Theo Boemer und ein Teil des Teams

Gestern Abend hat der Verwaltungsrat sich mit den Angeboten beschäftigt, die zu den insgesamt zwölf Losen eingegangen sind. „Uns war es wichtig, die Arbeiten so aufzuteilen, dass sie möglichst durch Unternehmen aus der Region ausgeführt werden können“, erklärt Alexa Peters. Sobald die DG grünes Licht zum Resultat der Ausschreibungen gibt und die Witterung es zulässt, werden die Arbeiten beginnen, denn bis Ende des Jahres soll alles fertig sein und der 20. Geburtstag 2018 in den neuen Räumlichkeiten gefeiert werden. Die bestehenden Stallungen werden bis auf die heutige Küche und Backstube abgerissen und komplett neu aufgebaut.

In dem anderthalbstöckigen Neubau wird der gesamte Produktionsbereich auf einer Ebene liegen.

Auch der Hofladen zieht aus dem Altbau in den Neubau. Auf der ersten Etage, die nur die Hälfte der Fläche einnimmt – der Rest ist Flachdach – werden Lager- und Büroräume entstehen.

Die Zugänglichkeit wird durch einen kombinierten Personen- und Lastenaufzug gewährleistet. Aus der Küche wird man direkt in den Kräuter- und Gemüsegarten sowie ins Treibhaus gelangen und auch eine Garage, die zur Be- und Entlieferung der Fahrzeuge mit direktem Zugang zu den Produktionsräumen dient, macht den Mitarbeitern das Leben leichter. Die Räumlichkeiten sind großzügig gestaltet, sodass überall Wendekreise für Rollstuhlfahrer vorhanden sind.

Und schließlich wird auch die Zufahrt von der Straße durch eine Rampe so „entschärft“, dass sie für Rollstuhlfahrer keine gefährliche Abfahrtspiste mehr darstellt.

Nathalie (links) und Alexa Peters freuen sich auf den Um- und Ausbau. | Foto: Petra Förster