Natur: Helmut Hahn baut überregional originelle Holzhäuser

Aus Brettern wird ein Lebensraum

150 naturnahe Spielplätze hat Helmut Hahn gebaut. In den letzten Jahren ist die Anzahl zurückgegangen, einfach weil es viele Anlagen nun schon gibt. Deshalb hat er nun mehr Zeit, andere Dinge aus Holz zu fertigen. Zum Beispiel originelle Holzhäuser. Oder Bühnenelemente für das Theater Crombach.

Den Besuchern der Premiere von „Der Kontrolleur“ in Crombach sind die schrägen Möbel ins Auge gefallen. Ungewöhnliche Stühle und ein etwas schräger Tisch prägen das Bühnenbild der Inszenierung. Sie sind in der Werkstatt von Helmut Hahn entstanden. Aus seiner Feder stammen auch verschiedene Skizzen zum Stück, so zum Beispiel die, die das Plakat ziert. Seit Jahrzehnten ist der 55-Jährige kreativ tätig, dabei hatte sein beruflicher Werdegang eigentlich ganz anders angefangen.

Mit der Geburt des ersten Kindes wurde der Wunsch nach Veränderung immer größer. Über 30 Jahre war Helmut Hahn in der Automobil-Branche als Verkäufer von Ersatzteilen tätig - immer innen und wenig künstlerisch. Seit seinem 18. Lebensjahr hat er zwischendurch immer mal wieder gemalt oder gewerkelt. Daraus einen Beruf zu machen, wäre ihm allerdings nicht in den Sinn gekommen. Als vor 25 Jahren sein Sohn Marius geboren wurde, wurde allerdings ziemlich schnell deutlich, dass sich in seinem Leben etwas ändern muss. „Ich war viel draußen, in der Natur“, erzählt er. Mehr und mehr sei der Wunsch nach Veränderung gewachsen, aber anfangs fehlte ihm noch der Mut, den sicheren Job aufzugeben und den Sprung ins Ungewisse zu wagen. So engagierte Helmut Hahn sich zunächst ehrenamtlich im Naturbereich, baute eine Aves-Junior Gruppe auf, knüpfte Kontakte zur Bewegung „Holunderschule“, die vor allem in Norddeutschland aktiv war. Im Job reduzierte er seine Arbeitszeit, in seiner Freizeit beriet er Elternräte beim Anlegen naturnaher Spielplätze. Noch heute entstehen fünf bis sechs naturnahe Spielplätze pro Jahr. 1997 kündigte er seine Arbeit als Verkäufer und arbeitete zunächst ein Jahr für einen Gartenbauer. 1998 folgte der Schritt in die Selbstständigkeit. Wie gesagt: 150 Holunderspielplätze hat er konzipiert und zusammen mit Eltern, Lehrern und ehrenamtlichen Helfern verwirklicht. „Die Nachfrage hat nun nachgelassen, zum einen, weil es in der Region schon viele Spielplätze gibt, zum anderen aber auch, weil das ehrenamtliche Engagement zurückgeht“, erklärt der 55-Jährige. Manchmal war es gar nicht so einfach, die Verantwortlichen vom Prinzip der Holunderschule zu überzeugen. Ein genormter, gerader Spielplatz strahlt mehr Sicherheit und „Ordnung“ aus. Doch die Art und Weise wie die zahlreichen Anlagen in Ostbelgien genutzt werden, hat inzwischen viele überzeugt. Fünf bis sechs naturnahe Anlagen realisiert Helmut Hahn derzeit noch pro Jahr, zu den Gründern der Initiative hat er immer noch engen Kontakt. Das alles geht übrigens nach der Planungsphase recht schnell: „Auf eine Woche steht der Spielplatz“, sagt Helmut Hahn. Los geht es mit einem Aktionstag mit den ehrenamtlichen Helfern, die Woche über arbeiten Helmut Hahn und seine beiden Söhne Marius (25) und Daniel (21) dann an der Anlage. Zum Abschluss gibt es einen zweiten Aktionstag. Die beiden Söhne arbeiten mittlerweile mit ihm im Betrieb „Wood and Garden“, der sich neben den Spielplätzen auf naturnahe Gartengestaltung und originelle Holzbauten spezialisiert hat. Landesweit und vor allen Dingen auch im benachbarten Groß- herzogtum Luxemburg sind mittlerweile die Holzhäuser aus St.Vith zu finden.

 

Gartenhaus in Emmels (Foto Georg Schmitz)

„Manche Leute wünschen erst ein Spielhaus oder beispielsweise ein Gartenhaus als Abstellraum. Oft wird es dann im Nachhinein zu einem Gästehaus umfunktioniert oder zu einem erweiterten Wohnbereich“, erzählt Helmut Hahn. Die Struktur des Hauses ist stets auf lange Sicht geplant, damit es seinen Zweck nicht nur für drei oder vier Jahre erfüllt. „Oft bauen wir später aus oder machen eine Isolierung, weil das Haus eine ganz neue Funktion bekommt“, berichtet der Holzbauer. Die Kunden sehen eine grobe Skizze, wie ihr Häuschen aussehen wird, genaue Pläne gibt es nicht. Das Holz wird in Rohform vor Ort angeliefert, der Bau entsteht in einem kreativen Prozess. „Ich fange einfach an zubauen“, erklärt Helmut Hahn, dass diese Phase für ihn viel wichtiger ist als die Freude über das fertige Haus. Junge Familien sollen die Möglichkeit erhalten, sich selbst an Gestaltung zu beteiligen. „Für mich zählt diese Entstehung, dann stehe ich komplett unter Adrenalin. Wenn einmal das fertige Resultat da ist, interessiert es mich ehrlich gesagt nicht mehr“, räumt er ein, dass er sofort wieder auf die Suche nach einem neuen Projekt geht. Ähnliches erlebe er beim Zeichnen: „Ich lebe diesen Moment und vergesse alles andere“, erklärt er die Zufriedenheit, die während des Schaffens bei ihm entsteht. Ähnliches beobachte er bei Kindern, die komplett in ihrer Arbeit versinken. Da ein solches Holzhaus doch eine größere Investition ist, sucht der Familienbetrieb nach Möglichkeiten, besonders jungen Familien eine naturnahe Gartengestaltung zu ermöglichen. Ähnlich wie bei Holunderspielplätzen könnten die Kunden einen Teil der Arbeit selbst übernehmen. „Das ist was ganz Anderes, weil die Leute dann einen Bezug zu ihrem Garten bekommen“, erklärt er, dass er sich ähnliche Projekte auch in Seniorenheimen oder beispielsweise mit Psychiatrie-Patienten vorstellen könnte. Da er es selbst so genießt, draußen in der Natur zu sein, möchte er auch anderen ermöglichen, den eigenen Garten als Erweiterung des Wohnraumes zu gestalten. Neben einer „wilden“, naturbelassenen Ecke gehören dazu immer ein Nutzgarten und eine Ecke zum Sitzen oder Spielen. Die Erfahrung hat er von den Holunderspielplätzen: Viel braucht es nicht, um sich draußen zu beschäftigen, vielleicht ein paar Stücke Holz, ein paar Steine oder das, was man sonst so findet. Aber wem sagt man das...