Emmelser auf der großen Apple-Bühne

AMERICAN DREAM
 

Christoph Paasch aus Emmels lebt den „American Dream“. 2014 wagte er den Sprung über den Atlantik, um im kalifornischen Cupertino (Silicon Valley) bei Apple anzuheuern. Als Software-Ingenieur beteiligt er sich aktiv an den neuesten Entwicklungen.

Von Allan Bastin (Grenz-Echo)

 


Auf der Bühne der weltweiten Entwicklerkonferenz WDDC versuchte der Emmelser, die anwesenden Entwickler von seinem Protokoll zu überzeugen. | Foto: privat
 
In dieser Woche hatte er die Ehre, seine Errungenschaften auf der weltweiten Entwicklerkonferenz (WWDC) von Apple vorzustellen.

Als wir Christoph Paasch am Freitagmorgen per Skype erreichen, ist es in Kalifornien fast Mitternacht. „Ich bin schon etwas müde, da ich in den letzten Tagen nicht viel Schlaf bekommen habe“, grinst der 31-Jährige. Nur wenige Stunden zuvor war der gebürtige Emmelser, der seine körperliche Beeinträchtigung durch eine Schluckimpfung gegen Kinderlähmung erhielt, von der weltweiten Entwicklerkonferenz zurückgekehrt. Die WWDC ist die wohl wichtigste Veranstaltung, die Apple jährlich organisiert.

Tausende Entwickler aus der ganzen Welt pilgern dorthin. „Der Aufwand ist riesig. Die Teilnehmer werden sogar ausgelost, da so viele Menschen dabei sein möchten“, erzählt Christoph Paasch. Am Dienstag war sogar Michelle Obama vor Ort. Die Konferenz beginnt immer mit einer sogenannten Keynote, die das Technologieunternehmen meist nutzt, um zukünftige Produkte vorzustellen, währenddessen auch Vorträge gehalten werden und Workshops stattfinden. Und eben einen dieser Vorträge hielt der Ostbelgier.

Dass Christoph Paasch überhaupt auf einer solchen Konferenz das Wort ergreifen durfte, sei für den ehemaligen Spieler der St.Vither Rollstuhlbasketballmannschaft Roller Bulls ein großer Erfolg gewesen: „Wir haben eigentlich seit sieben Jahren darauf hingearbeitet. Dass wir nun endlich unsere Arbeit präsentieren durften, ist in gewisser Weise schon ein Traum, der in Erfüllung geht.“

 

Kürzlich erhielt Christoph Paasch die Greencard: „Glücklicherweise bevor Trump an die Macht kam.“

 

Etwa 400 Entwickler dürften sich den Vortrag angehört haben, erzählt Paasch, der seit 2014 in den Staaten ist. Doch was hat es mit seiner Arbeit zum Networking eigentlich auf sich? „Mit dem Thema befasse ich mich eigentlich schon seit meinem Doktorat an der Katholischen Universität Neu-Löwen. Wir haben damals begonnen, an einem Protokoll zu arbeiten, dass den Zugang zum Internet erleichtert. Nach vier Jahren Arbeit haben wir wissenschaftliche Artikel veröffentlicht und seit 2012 hat Apple auch begonnen, unser Protokoll für das Sprachenerkennungsprogramm Siri zu nutzen. Für uns war es natürlich schon ein erster großer Schritt, schließlich nutzen mehrere Hundert Millionen iPhone-Nutzer unser Protokoll.“ Ein erster Meilenstein in seiner noch jungen Laufbahn als Ingenieur. „Nach dem Doktorat brauchte ich dann eine Arbeit. Da habe ich mir gedacht, warum nicht Apple, schließlich nutzen sie ja mein Protokoll.“ Zunächst war Christoph Paasch Teil des Siri-Teams, bevor er dann zum allgemeinen Networking-Team überwechselte. „Unser Ziel war es, dass unser Protokoll von allen möglichen Apps genutzt werden kann.“ Multipath TCP nennt sich die Technologie. Doch was kann damit bezweckt werden? „Um es einfach zu erklären: Wenn man mit seinem Smartphone das Haus verlässt, verschlechtert sich die Qualität des WLAN nach und nach. Darunter leiden auch die Apps, die nicht mehr funktionieren oder langsamer werden. Erst wenn sie auf 3G oder 4G umgestiegen sind, funktionieren sie wieder einwandfrei. Wir arbeiten daran, dass dieser Übergang ohne Unterbrechung für den Nutzer vonstattengehen kann. Es hört sich klein an, ist aber im Informatikbereich ein wichtiger Aspekt, der nicht zu vernachlässigen ist.“

Dementsprechend interessierten sich auf der WWDC auch viele Entwickler für Christoph Paaschs Vortrag. „Seit zwei Monaten haben wir die Präsentation vorbereitet. Wir haben sie viele Male wiederholt. Es war ein regelrechter Marathon und äußerst anstrengende Wochen für mich, doch es hat sich ausgezahlt. Das Feedback war wirklich sehr positiv.“

 

Sein Protokoll ermöglicht einen einfacheren Übergang zwischen WLAN und mobilem Netzwerk.

 

Für Christoph Paasch ist dieser Vortrag aber erst der Anfang: „Es ist sicherlich ein großer Schritt, aber wir werden jetzt noch weiter am Protokoll arbeiten. Im Sommer werden die konkreten Pläne fürs nächste Jahr gemacht. Mal schauen, wie es dann für mich weiter geht.“

Sorgen um seine Zukunft in den USA muss er sich nicht machen. Bei Apple ist er fest angestellt und erst kürzlich erhielt er die Green Card. Von anderen Visa unterscheidet sich diese dadurch, dass ihr Inhaber sich unbefristet in den USA aufhalten darf. Die nächste Etappe wäre die amerikanische Staatsbürgerschaft. „Ich bin froh, die Erlaubnis vor Trump bekommen zu haben. Heute wäre das sicherlich nicht mehr so einfach“, so der Emmelser. Donald Trump sei seit der Amtsführung im Januar noch immer in aller Munde: „Kalifornien ist im Allgemeinen sehr demokratisch eingestellt. Die Bürger schämen sich für ihren Präsidenten. Es ist für sie wie ein schlechter Traum. Proteste gibt es noch immer. Bei vielen ist auch die Angst vorhanden. Was kommt noch? Was wird aus der Health Care?“

Christoph Paasch hat sich in den Vereinigten Staaten gut eingelebt, wie er selbst zu berichten weiß: „Natürlich vermisst man Familie, Freunde und auch die Roller Bulls in der Heimat, aber das Leben in den USA würde ich nicht missen wollen.“ Die Zugänglichkeit für Behinderte sei in den USA vorbildlich: „In keinem Land der Welt haben es Rollstuhlfahrer so einfach.“ Mit dem Essen hat er sich auch schon anfreunden können: „Einzig Americain préparé und die belgischen Soßen zu den Fritten fehlen mir“, lacht Paasch. „Belgisches Bier gibt es hier aber an allen Ecken und in allen Bars.“ Spätestens Weihnachten möchte Paasch wieder auf Heimaturlaub sein: „Mal schauen, ob dann noch alles beim Alten ist.“


Foto aus Facebook ;)