Geschichte des Kirchenchores

Chronik Der Chronist, Johann Peter Jetzen, geboren zu Ober-Emmels am 20. Januar 1891 und verheiratet mit Maria Schaus am 22. Januar 1919, schrieb auf Anregung und Vorschlag von Pfarrer Joseph Kirch im Jahre 1936 die Chronik des Kirchenchores »St.Cäcilia« Emmels. Zum damaligen Zeitpunkt lebten noch Gründer des Chores und so war es noch eine leichtere Aufgabe die Gründung nachzuvollziehen.


Rektor Pelzer Maßgeblich zur Gründung des Chores trug Rektor Pelzer bei, welcher nach einer, von drei Sängern gesanglich gestalteten aber eher mißlungenen Messe feststellte: 'So kann es nicht weitergehen!" Noch im selben Monat berief er eine Versammlung ein um die mißliche Lage zu besprechen. Es meldeten sich aber nur zwei Herren.
Die Gründer Dies waren Nikolaus Moutschen aus Nieder-Emmels und Nikolaus Schaus aus Ober-Emmels. Letzterer, ein begnadeter Sänger, versah nach der Gründung des Chores 40 Jahre den Vorsängerdienst, der eigentliche Kantor, wie er heute benannt wird.

Diese zwei blieben aber nicht lange allein, denn Josef Maraite, Leonard Hengels und Johann Gillessen gesellten sich zu ihnen und so zählten sie bereits 5 Mann. Da auch Johann Gillessen ein begabter Sänger war und sich schon selber einige Notenkenntnisse aus einer Notenschule angeeignet hatte, übernahm er als erster Chorleiter den neugegründeten Kirchenchor.

Die ersten Proben wurden abwechselnd bei den 5 Mitgliedern abgehalten und da noch kein Geld vorhanden war, stand auch kein Probeinstrnment den Sängern zur Seite.

Ihre Mühen sollten aber belohnt werden, konnten sie doch bereits am 8. September 1896, Mariä Geburt, die Choralmesse 'Salve Sancte Parens' vortragen, sehr zum Erstaunen der Kirchenbesucher.

Durch diesen Gesang und die Leistung angespornt traten noch die Gebrüder Michael und Johann Schaus, beide aus Nieder-Emmels, dem Chor bei. Die drei älteren Sänger beanspruchten jedoch weiterhin an gewöhnlichen Sonntagen Kyrie, Gloria, Sanctus und Agnus Dei während der Messe zu singen. Am 1. Januar 1887 wurde die Küsterstelle frei und seit diesem Datum übernahm Johann Gillessen auch die Funktion des Küsters und durch diesen Wechsel legten auch die drei älteren Sänger endgültig ihr Amt nieder. Sie zogen sich zurück, schreibt der Chronist.

Die Zahl der Sänger erhöhte sich in diesem Jahr erheblich und stieg auf 12 Mitglieder. Es waren: Johann Peter Jetzen (Chronist) aus Nieder-Emmels. Peter und Johann Peter Eicher, Nikolaus Wiesemes und Leonard Schaus alle aus Ober-Emmels.
Rektor Zimmer-mann Im Monat August 1887 verließ Rektor Pelzer das Rektorat Emmels und ihm folgte Rektor Zimmermann. Ein Mann der sehr musikalisch war und sich desto mehr für Gesang interessierte.

Nicht nur musikalisch war er den Sängern behilflich. konnte er doch Geige spielen und war bei jeder Probe anwesend. Er übersetzte die lateinischen Texte ins Deutsche, sodaß die Sänger wenigtens verstanden was sie sonntags sangen.
Erste mehrstimmige Messe Durch diese gewissenhaften Proben war der 12 Mann starke Chor bereits zu Weihnachten 1897 in der Lage. eine 4stimmige Messe, Opus 17 von Wittberger vorzutragen. Es war, so der Chronist und damaliger Sänger. Johann Peter Jetzen, keine leicht zu singende Messe gewesen.

Im darauffolgenden Jahr, 1898. traten weitere zwei Männer dem Chor bei. Es waren Hubert Moutschen aus NiederEmmels und Jacob Jetzen aus Ober-Emmels.
Kurz vor den Jahrhundertwende, 1899, gesellten sich den Sängern weitere zwei Mitglieder hinzu: Peter Jetzen aus Nieder-Emmels und Johann Heinrich Jetzen aus Ober-Emmels. Somit war für das neue Jahrhundert ein Quartett, nämlich 16 Mann, komplett. In diesem letzten Jahr des Jahrhunderts sollte sich aber noch ein weiterer Wunsch erfüllen, konnte doch ein Harmonium angeschafft werden, sehr zur Erleichterung der Proben und des Gesanges in der Kirche. Fortan wurden alle Proben in der Kirche abgehalten.

Das Spielen des Harmoniums erlernte nun Johann Gillessen bei Lehrer Klee in Recht und machte, durch seine musikalische Begabung, rasche Fortschritte und beherrschte das Instrument in kürzester Zeit.

Begebenheiten aus der damaligen Zeit

Da es nun in der Kirche während der Wintermonate zu kalt war, fanden die Proben in der Stube des Chorleiters, Johann Gillessen statt. Der Chronist konnte aus dieser Stube manche lustige Begebenheit erzählen, war er doch von Anbeginn dabei. So war es üblich, daß während der Pause nicht nur geraucht, sondern mehr gequalmt wurde, daß die Petroleumlampe erlosch und weil sich Josef Maraite über kalte Füße beklagte, hatte Johann Gillessen bei der nächsten Probe so stark geheizt, daß die Kerzen sich in den Ständern bogen. In diesem Jahr, 1900, war ein weiteres Mitglied dem Chor beigetreten, Nikolaus Koch.

Daß ein Sänger mit einer trockenen Kehle geplagt ist, war schon zu Gründungszeiten zu erfahren und diesem Ubel wurde mit einem oder mehreren Schnäpschen übergeholfen, die beste Gelegenheit hierfür waren die Namenstage. Das Mitglied Nik. Koch arbeitete zur Zeit in einer Schwarzbrennerei — Mersch in St.Vith — und so lag es auf der Hand: "An der Quelle saß der Knabe". Die von ihm mitgebrachten 'Liter' waren von bester Qualität! Rektor Zimmermann war auch kein Kind der Traurigkeit und noch weniger ein Spielverderber, kannte er doch seine Sänger!

Der Gesang, der diesen Schnäpschen folgte, wie er damals im Wortschatz vorhanden war, hieß "Stompernechelcher". Hiervon wußten diese Sänger — alles trinkfeste Gesellen — genug, und so trugen diese Gesänge sehr zur Erheiternng der Feier bei.
In diesem Jahr, 1900 organisierte Rektor Zimmermann die ersten Ausflüge und zwar nach Amel und Rodt. Dortselbst spendierte er Kaffee und Kuchen und anschließend wurde gekegelt, da der Rektor ein tüchtiger und leidenschaftlicher Kegler war. Zu vorgerückter Stunde traten Rektor und Sänger zu Fuß und singend den Heimweg an.

1901 bestimmte Rektor Zimmermann folgende Schulknaben um den Chor gesanglich zu verstärken: die Gebrüder Nikolaus und Leo Moutschen, Johann Peter Jetzen, aus Nieder-Emmels und Johann Jetzen aus Ober-Emmels. Diese Knaben sangen die Choralgesänge: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei in den jeweiligen Messen. Sie wurden durch Rektor Zimmermann eingeprobt.
Bis zum Herbst 1902 blieb Rektor Zimmermann in Emmels und diese Rektorstelle blieb unbesetzt bis zum Frühjahr 1903 und wurde alsdann durch den neugeweihten Priester Rektor Stas versehen. Rektor Stas, weder musikalisch noch gesanglich begabt, zeigte wenig Interesse am Kirchenchor, vielleicht auch deshalb, weil er wußte, daß dieser in guten Händen war.


Rektor Meier

Sein Nachfolger, Rektor Meier, trat sein Amt im Jahre 1907 an und war wie sein Vorgänger unmusikalisch, ließ es sich aber nicht nehmen, "seine Sänger"  zu Ostern mit Ostereiem zu beschenken.

Heirat

Da zu dieser Zeit noch alle Sänger ledig, jedoch im heiratsfähigem Alter waren, war die Zeit der Hochzeiten nahe und so wurde den Neuvermählten am Tag zuvor ein Geschenk überreicht. Diese Übergabe effolgte geschlossen vom ganzen Chor. Durch diese Heiraten litt der Chor erheblich, da Mitglieder nach auswärts heirateten, kamen sie nicht regelmäßig oder fast gar nicht mehr proben. Hier stellte sich der Chronist schon damals die Frage, ob dieses Phänomen schon etwas mit "Pantoffelheldentum" zu tun habe?

Neue Mitglieder

Einige Jahre später, der Chronist schreibt bereits das Jahr 1907, suchte sich der Chorleiter stimmbegabte Schulknaben aus um neue Kräfte heranzubilden. Es waren dies die Gebrüder Johann Heinrich und Josef Jetzen und Josef Moutschen aus Nieder-Emmels sowie Josef Lehnen aus Ober-Emmels. Da diese Proben nun getrennt vom eigentlichen Chor abgehalten wurden und sich diese Jungen mal an dieses System gewöhnen mußten, kam es vor, daß der Chorleiter hin und wieder mal Ohrfeigen austeilen mußte.

Rektor Hermes

Im Herbst 1912 verließ Rektor Meier die hiesige Stelle und sein Nachfolger wurde Rektor Hermes, ein Musiker und großer Kritiker was den Choralgesang anbetraf. Unter seiner Leitung wurde auch der neue Gregorianische Gesang eingeprobt. Der Kirchenchor, welcher nun schon 20 Jahre bestand, glaubte annehmen zu dürfen, den Gesang schon einigermaßen gut zu singen. Jedoch Rektor Hermes teilte nicht diese Auffassung. So kam es öfters zu Auseinandersetzungen zwischen Dirigent und Kirchenchor einerseits und Rektor Hermes anderseits. Totenzettel

Weltkrieg 1914-18

Mittlerweile kam der Weltkrieg, für den blühenden Kirchenchor eine schwere Zeit. Gleich zu Beginn wurden zwei Mitglieder eingezogen: Johann Jetzen aus OberEmmels zum Gardegrenadier-Regiment N°3 nach Berlin und Johann Peter Jetzen aus Nieder-Emmels zum Feldartillerie-Regiment N°44 nach Trier.

Im Verlauf von drei Jahren, stand der Dirigent nur mehr mit einem Sänger auf der Empore. Jedoch auch dessen Tage waren gezählt und der Dirigent war zum Schluß noch allein. Sein Sohn, mittlerweile schon 15 Jahre alt, wurde nun vom Vater im Harmoniumspielen ausgebildet. Auch er, Nikolaus Gillessen, hat sich vom Vater manche Ohrfeige eingehandelt. Sein Vater fand jedoch mit der Zeit etwas Unterstützung in seinen Sohn.

Ab und zu kamen die Sänger von der Front zurück in Urlaub und freuten sich jedesmal, noch einmal im trauten Heimatkirchlein die Messe mitzusingen. Nicht alle Mitglieder kehrten nach Kriegsende in ihre Heimat zurück. Zwei Aktive büßte der Chor ein, es waren:
Johann Jetzen aus Ober-Emmels, welcher schon am 18. März 1915 zu Ripont in Frankreich den Heldentod starb, für Kaiser und Reich, wie im Totenzettel vermerkt, und:
Peter Jetzen, Bruder des Chronisten, aus Nieder-Emmels. Er fand den Tod am 7. Oktober 1917 in Flandern.
Beide waren vorzügliche Tenorsänger; ein schwerer Verlust für den Chor.

Kriegsende 1918

Rektor Hermes schwärmte nicht sehr für den mehrstimmigen Gesang und legte viel mehr Wert auf den Gregorianischen Gesang, sehr zum Leidwesen des Dirigenten, denn zu den Sängern äußerte er sich nicht,  jedoch der Chorleiter bekam Tadel und Kritik zu spüren.

Mit verwilderten Stimmen kehrten die Krieger nach Hause zurück und so mancher hat sich mit dieser Stimme nicht mehr zum Chor getraut, sodaß fast ein Neubeginn von Nöten war.
1921 In diesem Jahr vollendete Johann Gillessen seine 25 Jahre Tätigkeit als Organist, Chorleiter und Küster und erkrankte sehr. Wie sehr diesem tüchtigen Sänger der Gesang in Fleisch und Blut übergegangen war, beweist der Umstand, daß er in den letzten Tagen seiner Krankheit, ja auf seinem Sterbebette, als er schon fast bewußtlos war, noch eine Hl. Messe lückenlos auswendig mit kräftiger Stimme sang.
Am 2. Dezember 1921 verstarb Johann Gillessen und hinterließ eine große Lücke. Als sein Nachfolger übernahm sein Sohn Nikolaus Gillessen die Stelle seines Vaters, nachdem er schon in den letzten Jahren seinen Vater meistens vertreten hatte.
Da Rektor Hermes bei der Listenauflegung in Malmedy im Jahre 1920 für Deutschland optiert hatte, mußte er im Sommer 1923 plötzlich die hiesige Stelle verlassen und nach Deutschland übersiedeln.


Rektor Kirch

Da unsere Heimat durch die Annexion zu Belgien gekommen war, wurde sie auch kirchlicherseits der Diözese Lüttich einverleibt.

Als Nachfolger von Rektor Hermes ernannte seine Exzellenz, der Bischof von Lüttich, einen Priester der Diözese, Josef Kirch, gewissermaßen ein Kind unserer Heimat, dessen Mutter aus Born und sein Vater aus Höfen stammte. In einer seiner ersten Predigten bat er alle ehemaligen Sänger, sich wieder zusammenzuschließen und durch ihren frommen Gesang Gottes Ehre zu fördern, den Gottesdienst zu erheben und ihre Mitmenschen zu erbauen.

Dieser Aufruf blieb nicht unerhört, die alten Sänger fanden wieder zum Chor und zwei neue Mitglieder, Josef Hengels und Peter Kütz, beide aus Nieder-Emmels, traten dem Chor unter der neuen Leitung von Nikolaus Gilessen bei. Somit zählte der Chor wieder 14 aktive Mitglieder.

Wenn Rektor Josef Kirch auch nicht so musikalisch war wie sein Vorgänger, erwies er sich doch als großer Freund des Kirchengesanges. Auf seine Veranlassung wurde auch der mehrstimmige Gesang wieder gepflegt. Zu Ostern 1924 wurde wieder eine mehrstimmige Messe gesungen, welche dem Chor seitens seines Präsidenten ein öffentliches Lob einbrachte. Diese mehrstimmigen Gesänge wurden an Fest- und Feiertagen wie Ostern, Pfingsten, Fest des HI. Donatus, Maria-Himmelfahrt, Christkönigsfest, Fest der Hl. Cäcilia, Weihnachten und anläßlich einer Heirat eines Mitgliedes gesungen. Daß Rektor Kirch auch ein großer Anhänger des Gregorianischen Gesanges war, zeigt, daß er im Jahre 1925 dem Chor neue Choralbücher aus eigener Tasche schenkte.

Auch nahm er an allen Dekanatstreffen der Chöre mit seinem Chor teil und forderte die Gläubigen auf, durch Gesang in der Kirche und während den Gottesdiensten den Chor zu unterstützen. Selten erschien er zu den Proben, schenkte aber den Sängern gelegentlich eine Zigarre.

1924

Ein Jahr von Bedeutung. Am 17. Juli 1924 wurde Rektor Josef Kirch zum ersten Pfarrer von Emmels von seinem Bischof ernannt. Die feierliche Einführung erfolgte am 6. August durch Dechant Kerp. In diesem Jahr traf sich die Geistlichkeit in St.Vith, wo beschlossen wurde, ein Dekanats-Cäcilienfest zu veranstalten mit der Begründung, den Gregorianischen Gesang noch mehr zu fördern wie bis hierhin.

So konnte von Jahr zu Jahr eine Verbesserung und Steigerung bei allen Chören festgestellt werden.

Vom Dekanatsverband wurde damals als erster Präsident Pfarrer van den Broek von Aldringen ernannt. Seine Wahl war eine durchaus glückliche, war er redegewandt und verstand sehr viel vom Choralgesang.

Anläßlich der Dekanatstreffen in den folgenden Jahren freuten sich die Sänger jedesmal wenn Rektor van den Broek die Rednertribühne betrat, denn seine Vorträge waren lehrreich und immer mit köstlichem Humor gewürzt.

1925

Erstmals in der Geschichte des Chores traten in diesem Jahre drei neue Mitglieder aus Hünningen dem Chor bei. Es waren die Gebrüder Josef und Balthasar Gritten und Peter Müller, Peter Schaus und Hubert Moutschen aus Nieder-Emmels. In diesem Jahr erhielt der Chor aus den Händen des Pfarres die neuen Choralbücher.

Am 3. Mai war Grundsteinlegung des neuen Gotteshauses und schon die Tatsache, daß die neue Empore wesentlich größer werde wie in der alten Kapelle, erfreute schon vor der Fertigstellung alle Chormitglieder.

An dieser Feier nahm auch der Kirchenchor aus Rodt teil. Als Regierungsvertreter war der Königliche Kommissar, Baron Baltia anwesend. Der Chor sang das mehrstimmige Lied "Fest auf den Fels gebaut". In diesem Jahr fand zum ersten Mal die Gedenkfeier anläßlich des 11. November am Kriegerdenkmal statt.

1926-1929

Mit Freude wurde der Einzug in die neue Pfarrkirche erwartet und am 5. Dezember war es soweit. Auch war seitens der Pfarre ein neues Harmonium angeschafft worden.

In den nun folgenden Jahren gestaltete der Chor auch ... Fortsetzung folgt ...