Geschichte des Kgl. Musikvereins "Ardennenklang" Emmels

Die Chronik

Der Tatsache, dass es in früherer Zeit auch schon schreibfreudige Leute gab, ist es zu verdanken, dass wir über eine ziemlich genaue Berichterstattung unserer Vereinsvergangenheit verfügen. So wollen wir ein wenig in den Protokollbüchern herumblättern, wo wir manch Interessantes aus der Geschichte des Vereins zusammentragen können.

 

Auf der ersten Seite des "Gründungsberichtes" lesen wir unter anderem:

 

Bei Gelegenheit des Hilariusfestes 1922 beschlossen die Junggesellen Schaus Leonard, Schaus Baltasar, Schaus Leo und Lehnen Michel, alle von Ober-Emmels, einen Musikverein zu gründen. Sämtliche waren im Besitze von eigenen Instrumenten und übten unter der Leitung von Schaus Leonard. Am 15. Mai desselben Jahres traten Wiesemes Hubert, Wiesemes Nikolaus, Gillessen Nikolaus, Arens Johann und Gillessen Josef der Vereinigung bei, so dass die Vereinigung jetzt aus neun Mitgliedern bestand. Jeder der Eintretenden besorgte sich ein eigenes Instrument. Im Herbst 1922 war die Vereinigung schon so weit in ihrem Können fortgeschritten, dass beim stattfindenden Erntefest in der Wirtschaft Lorenzen zu Nieder-Emmels die Tanzmusik ausgeführt werden konnte.

 

So wurde im Gründungsjahr 1922 der Anfang gemacht, aber erst am 1. Februar 1924 erhielt der Verein seine Statuten und Bestimmungen, die bis heute nicht an Aktualität verloren haben, sondern noch immer, trotz Fortschritt, wegweisend für seine Mitglieder sind und auf einer christlichen Grundlage basieren. Zum damaligen Leistungsstand berichtet der Chronist folgendes:

 

Die Vereine von Born und Emmels hatten sich in Freundschaft im Lokale Schumacher auf Kaiserbaracke getroffen. Im Bericht dieses Treffens steht: "Beide Vereine wetteiferten abwechselnd in Konzertstücken, aber bei keinem war viel zu haben. Alles Anfänger." Die Begeisterung unserer Gründer griff immer mehr und mehr um sich, und so konnte sich die Mitgliederzahl von Jahr zu Jahr steigern.

 

Auch hat der damalige Schriftführer Michel Lehnen für 1925 interessante Zahlen zusammengetragen: Am 3. Mai 1925 war die Grundsteinlegung für die neue Pfarrkirche zu Emmels. Der Musikverein erhielt für den musikalischen Empfang vom Herrn Gouverneur eine Spende von 100 Franken - damals sehr viel Geld und zudem eine schöne Geste, die heute bei den meisten Politikern in Vergessenheit geraten ist. Ebenfalls heiratete in demselben Jahr der Präsident des Vereins, Herr Jetzen Peter aus Ober-Emmels. Er erhielt als Erinnerungsgeschenk ein Branntwein-Service im Werte von 21 Franken. Bei einem Zeltfest wurde ein Reinertrag von 165,50 Franken erzielt. 25 Centime musste derjenige bezahlen, der bei einer Probe zu spät kam.

 

Durch Konzert- und Theateraufführungen konnte die Vereinskasse aufgebessert werden, um neue Noten und Instrumente anschaffen zu können. Auch fand im Jahr 1928 die Weihe der ersten Vereinsfahne statt. Aus diesem Anlass fand am Abend des 5. Mai ein großer Fackelzug statt. Am darauf folgenden Sonntag wurde unter Mitwirkung von etwa 20 auswärtigen Vereinen und der ganzen Bevölkerung die neue Fahne von Pfarrer Kirch gesegnet und dem Verein übergeben. Dieser Tag ging als erster Höhepunkt in die Geschichte dieses jungen Vereins ein.

 

Die dreißiger Jahre waren für den Verein eine Zeitspanne der Erfolge, er genoss Ehre und Anerkennung. Die unruhigen Jahre vor dem zweiten Weltkrieg, sind auch am hiesigen Vereinsleben nicht ganz spurlos vorübergingen. Wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vereins wurde ab 1934 jede Tätigkeit eingestellt. Einige unermüdliche Musikanten belebten nach Anwerbung etwa 10 junger Kräfte ab 1938 das Musizieren, aber nicht in geregelter Form. Man spielte nur bei gewissen Anlässen und zum Spaß an der Freud.

 

Leider begann auch für Emmels und seine Einwohner im Jahr 1940 eine furchtbare Zeit. Es war Krieg! Nicht nur das gesamte Vereinsleben stand still, sondern viel Leid und Elend, viele Sorgen und Tränen brachen über das friedliche Dorf herein. Familien wurden auseinander gerissen, Vater und Söhne mussten für eine nutzlose Idee sterben. Auch in den Reihen unseres Vereins hatte der Krieg blutige Spuren hinterlassen. Junges Leben wurde ausgelöscht, Hoffnungen zerstört und viel moralisches und seelisches Leid musste ertragen werden. Zehn Aktive kehrten nicht wieder heim. Es brauchte Jahre, ehe man sich wieder "gefasst" hatte.

 

Alsdann wurde auf Anregung verschiedener Interessenten am Sonntag, dem 10.April 1949, im Lokale Feyen eine Zusammenkunft zwecks „Neuaufbau“ unseres Musikvereins einberufen. Hauptinitiator dieser Idee war damals Herr Moutschen Richard. In einer Generalversammlung am 17. April desselben Jahres wurde der erste Vorstand der Nachkriegszeit gewählt. Es waren die Herren: Leonard Schaus – Präsident, Johann Girretz – Dirigent, Emil Arens – Schriftführer, Leo Moutschen – Kassierer. Zu 4 Musikern gesellten sich an diesem Tage noch weitere 13. So startete man also zu 17 Mann die Aktivitäten, allerdings ohne Instrumente, ohne Noten und ohne Probelokal. Da der Verein über keinerlei finanziellen Mittel verfügte, wurde zuerst ein "Preiskegeln" veranstaltet. Dieses war nach dem Kriege ein geeignetes Mittel und ein gutes "Zugpferd", an Geld zu kommen. Die noch vorhandenen Instrumente von vor dem Kriege wurden repariert, und so begann wieder langsam der Aufbau. Aus den Ruinen begann neues Leben zu wachsen, und viele schlossen sich dem Verein wieder an. Am 5. Februar 1950 trat der Verein zum ersten Male seit Kriegsende mit einem Theaterprogramm an die Öffentlichkeit. Neben einigen Musikstücken und einer Verlosung wurde dieser erste Auftritt somit ein voller Erfolg. Seine erste Gastreise absolvierte der Verein am 21. Mai zu einem Fest des Musikvereins nach Oudler.

 

Die folgenden Jahre waren markiert von echter Kameradschaft und dem Gedanken, wieder in Frieden leben zu können. Auftritte innerhalb des Dorfes - sei es bei weltlichen oder kirchlichen Festen - oder außerhalb: überall konnte man das Gefühl verspüren, dass es wieder aufwärts ging. Und so konnte auch unter diesem Stern im Jahr 1952 am 17. und 18. Mai das 30-jährige Jubiläumsfest feierlich begangen werden. Am Samstag, begannen die Festlichkeiten mit einem großen Fackelzug. "Gegen Einbruch der Dunkelheit", so schrieb damals Herr Moutschen im Protokollbuch, "kamen die ersten Fackeln zu Gesicht, und bald stand vor dem Vereinslokale eine große Schar froher Kinder, welche zum ersten Male in ihrem Leben einen Fackelzug mitmachen durften.“ Bereits im Morgengrauen des Sonntags, so gegen 5 Uhr, mahnten 3 Trompeter des Vereins die Mitglieder zum Aufstehen. Es waren die Herren Josef Schaus, Erich Schaus und Karl Moutschen. Nach dem üblichen Kirchgang, Festzug, Konzerten und Abschlussball ging auch dieses Fest als ein weiterer Meilenstein in die Geschichte unseres Vereins ein.

 

In all den folgenden Jahren hat der Verein dank der stetigen Hingabe und Aufopferung des Präsidenten, Herrn Michel Schrauben, und des Dirigenten, Herrn Johann Girretz, eine nie da gewesene Blütezeit erlebt. Deshalb war es für den gesamten Musikverein eine traurige Pflicht, ihren Präsidenten am 24. Oktober 1960 zu Grabe tragen zu müssen. Johann-Heinrich Jetzen trat seine Nachfolge an. Auch er bemühte sich in all den folgenden Jahren, seiner Aufgabe als Präsident gerecht zu werden. Im Jahr 1966 gab Dirigent Johann Girretz sein Amt an Herrn Richard Moutschen ab. Bei dieser Gelegenheit wurde dem ausscheidenden Dirigenten anlässlich eines Familienfestes eine

Ehren-Urkunde verliehen, verbunden mit einem großen Dank für viele treue Dienste und fast 26 Jahre als Dirigent und Mensch gewirkt zu haben.

 

Auch Dirigent Richard Moutschen wusste seine Aktiven anzupacken, und mit viel Gefühl und Taktik konnte der Verein unter seiner Leitung manchen Höhepunkt erleben. Mit ihm beteiligte sich der Verein im Mai 1970 an der ersten Einstufung für Musikvereine im deutschsprachigen Landesteil. Die Vereine wurden damals je nach Vortrag von der Jury in Kategorien eingestuft. Der Musikverein „Ardennenklang“ Emmels kam mit den Vereinen aus Auel-Steffeshausen und Amel in die zweite Kategorie. Die erste Kategorie hatte keiner der angetretenen Vereine geschafft. Für unseren Verein war dies ein unerwartet gutes Resultat.

 

Da die ständigen Ausfahrten, Verpflichtungen, usw. dem damaligen Präsidenten wegen seines vorgeschrittenen Alters zu schaffen machten, gab er sein Amt im Jahr 1969 in jüngere Hände. Ihm folgte mit viel Geschick und Diplomatie Herr Leo Meyer auf dem Präsidentenposten. Während seiner "Regierungszeit" wurde am 13. und 14. Mai 1972 das 50-jährige Stiftungsfest gefeiert. Aus den Händen des damaligen Bezirkskommissars erhielt unser Musikverein die Urkunde einer „Königlichen Gesellschaft“.

 

Im Februar 1976 übernahm Herr Roger Schmitz den Dirigentenstab, ein in der Eifel sehr bekannter Musiker. Im Jahr 1978 wurde Herr Alfons Piront an die "Spitze" des Vereins gewählt und verstand es immer wieder, seine Leute mitzureißen und für die gute Sache zu begeistern. 1978 übernahm Herr Peter Ohles provisorisch die Leitung und blieb bis 1981. Danach kehrte Roger Schmitz für eine Spanne von 5 Jahren zurück.

 

Zum 60. Vereinsjubiläum wurde ein großes Musikfest veranstaltet, das am 22. und 23. Mai 1982 in der großen Lagerhalle des Präsidenten Alfons Piront stattfand. Insgesamt 55 Vereine erteilten ihre Zusage. Die darauf folgenden Geburtstage ab 1992 wurden in kleinem Rahmen veranstaltet, dafür aber alle 5 Jahre.

 

Im Jahr 1986 gab es erneut einen Dirigentenwechsel: Herr Leo Hockertz erklärte sich bereit, den Verein zu leiten. Er blieb anderthalb Jahre. Im Dezember 1987 begann Hermann Dederichs dann als Dirigent. Mit ihm stellten sich der drei Mal erfolgreich dem Einstufungswettbewerb der DG: 1992 und 1997 in die 3. Kategorie, 2001 in die 2. Kategorie. Die letzte Einstufung unter seiner Dirigentschaft im Jahr 2005 war leider nicht von Erfolg gekrönt. Das Ziel, erneut in die 2. Kategorie eingestuft zu werden, wurde nicht erreicht und somit wurde der Verein in die dritte Kategorie abgestuft. Ihm folgte Anfang 2006 Roland Smeets, seinerseits Schlagzeuger und Hornist. Er machte jeweils mit großem Erfolg seinen Abschluss am Konservatorium der Stadt Luxemburg und am Königlichen Konservatorium Lüttich und arbeitet seitdem als Berufsmusiker.

Im Jahr 2000 wurde, nach einer 25-jährigen Tätigkeit im Vorstand und einer 21-jährigen Präsidentschaft Alfons Piront von Kurt Moutschen als Präsident unseres Vereins abgelöst. Wie auch in der Vergangenheit hat der Kgl. Musikverein "Ardennenklang" Emmels an der Einstufung der Musikvereine 2009 teilgenommen. Der Verein trat mit 24 Musikern in der 2. Kategorie an und hat diese mit 82,10% erfolgreich bestanden. In Anbetracht der relativ geringen Anzahl Musiker war dies ein sehr gutes Resultat, das auf den bedingungslosen Einsatz eines jeden Musikers und die äußerst kompetente musikalische Leitung unseres Dirigenten Roland Smeets zurückzuführen ist.

 

Nach über 90 Jahren seit seiner Gründung besteht der Verein heute aus 24 aktiven Musikern und 5 nicht musizierenden Mitgliedern, welche genau wie damals die Absicht haben, sich für die Belange des Kgl. Musikvereins "Ardennenklang" Emmels einzusetzen. Es hat in den ganzen Jahren Höhen und Tiefen gegeben, welche aber allesamt durchlebt und überwunden wurden. Und so sind wir überzeugt, dass auch in Zukunft positives von uns und unserer heutigen Zeit berichtet werden kann. Unserem Verein möge auch weiterhin viel Erfolg beschieden sein. Möge er stets seiner Sendung bewusst bleiben: Gott zur Ehre und den Menschen zur Freude!